Teilabguss des Marmororiginals; Rom, Vatikanische Museen
Römische Kopie nach griechischem Vorbild um 330 v. Chr.
Gefunden kurz vor 1500 in der Nähe von Antium
Abguss 1771 (oder 1864) erworben
Der von Winckelmann aufgestellte Schönheitskanon war noch 1816 so unbestritten gültig, dass der britische Parlamentsausschuss zur Beurteilung der Elgin Marbles jedem der geladenen Experten die Frage vorlegte, wie der künstlerische Rang der Parthenonskulpturen im Vergleich zum Apoll von Belvedere zu bewerten sei.
Original aus Marmor; Rom, Vatikanische Museen Um 30/20 v. Chr. (?) von den rhodischen Künstlern Hagesandros, Polydoros und Athanadoros geschaffen Gefunden 1506 auf dem Gebiet der Domus Aurea in Rom Abguss 1771 von Heyne bei den Gebr. Ferrari erworben
Nach der eher zufälligen ersten Erwerbung von Gipsabgüssen 1765 nutzte Heyne mehrfach das Angebot der Gebrüder Ferrari, reisender Gipshändler aus Norditalien. Außer verschiedenen Büsten kaufte er bei Ihnen auch ganze Statuen wie den Fechter Borghese und den Faun Medici. Auch ließ er die am Fenster aufgestellten und daher bereits 1771 stark strapazierten Abgüsse aus Herrenhausen durch die Gebr. Ferrari mit einem Schutzanstrich versehen. 1774 erwarb er bei ihnen einen Abguss der ganzen Figur des Laokoon. Ein Abguss der gesamten Gruppe einschließlich der Söhne ließ sich jedoch zu Heynes Lebzeiten nicht besorgen.
Originale aus Bronze; Hannover-Herrenhausen, Galeriegebäude Norditalienisch (?), spätes 16. Jahrhundert Ursprünglich im Besitz Ludwigs XIV., seit 1715 in Herrenhausen Abgüsse 1765 von Heyne für die Göttinger Universitätsbibliothek erworben
Auf Vermittlung von Rudolf Erich Raspe, damals Bibliothekar in Hannover, später Kustos der landgräflichen Sammlungen in Kassel, erhielt Heyne im Sommer 1765 insgesamt 18 Abgüsse von Porträtbüsten aus dem Galeriegebäude der kurfürstlichen Sommerresidenz Herrenhausen bei Hannover. Wie sich erst später herausstellte, handelte es sich bei der Galerie römischer Kaiser nicht um antike Werke, sondern um neuzeitliche Nachahmungen, z.T. auf der Grundlage von Münzbildern gefertigt. Weitere Exemplare derselben Abgussserie wurden für den Herzog von Mecklenburg-Schwerin nach Ludwigslust und für den Landgrafen von Hessen nach Kassel geliefert. Nur die Göttinger Abgüsse haben sich (großenteils) erhalten.
Original aus Marmor; z. Z. nach Burghley House, England entliehen Römische Kopie nach einem Vorbild des 1. Jahrhunderts v. Chr. Gefunden 1760 im Amphitheatrum Castrense in Rom Abguss 1862 erworben
Winckelmann berichtete dem Baron von Stosch 1760 von der Auffindung der Gruppe, die zunächst vom Kunsthändler Belisario Amidei erworben wurde und später über den Agenten Thomas Jenkins in Wallmodens Besitz gelangte. Das Original wurde bereits kurz nach der Auffindung aus mehreren Bruchstücken zusammengesetzt und von Bartolomeo Cavaceppi restauriert. Er ergänzte u.a. den Kopf des Perseus und die Arme der Andromeda.
Statue einer sitzenden Nymphe, sog. Dresdner Ariadne
Original aus Marmor; Dresden, Antikensammlung
Römische Kopie nach einem Vorbild des 3. Jhs. v. Chr.
Aus der Sammlung Chigi; seit 1728 in Dresden Abguss 1785 von Heyne bei der Kunsthandlung Rost in Leipzig für die Göttinger Universitätsbibliothek erworben.
In den Gedanken über die Nachahmung ordnet Winckelmann die Statue dem „hohen Stil“ der griechischen Kunst zu, deutet sie gleichzeitig aber aufgrund des Kopftypus als Bildnis Agrippinas der Älteren, also als römisches Werk. Diesen Widerspruch thematisiert er ebenso wenig wie die Tatsache, dass der Kopf nicht zur Statue gehört. Beides – die Deutung griechischer Statuen als Personen aus der römischen Geschichte und das Nichterkennen von Ergänzungen – brandmarkte Winckelmann später, in seiner römischen Zeit, als typische „Vergehungen“ unbedarfter Buchgelehrter.
Original aus Marmor; Dresden, Antikensammlung Römische Kopie nach einem Vorbild des späten 4. Jhs. v. Chr. Um 1711 im Theater von Herculaneum gefunden; seit 1736 in Dresden Abguss 1983 erworben
Die Statue wurde zusammen mit einem typgleichen Stück und mit der sog. Großen Herkulanerin gefunden. Trotz des unverhüllten Hauptes deutete Winckelmann auch diese Statue als Priesterin der Vesta. Sie galt ihm als eines der „großen Meisterstücke der Griechischen Kunst“.
Original aus Marmor; Dresden, Antikensammlung Römische Kopie nach einem Vorbild um 330 v. Chr. Um 1711 im Theater von Herculaneum gefunden; seit 1736 in Dresden
Abguss 1785 von Heyne bei der Kunsthandlung Rost in Leipzig für die Göttinger Universitätsbibliothek erworben
Wegen des über den Kopf gezogenen Mantels interpretierte Winckelmann die Figur als Priesterin der Göttin Vesta (griech. Hestia). Zusammen mit der hier ausgestellten sog. Kleinen Herkulanerin gehörte sie zu den ersten originalen Antiken, die er kennen lernte. Die „göttlichen Stücke“ erschienen Winckelmann als „große Muster“ für den „meisterhaften Contour, der auch durch den Marmor hindurch den schönen Bau seines Körpers wie durch ein Coisches [durchsichtiges] Kleid zeiget“.
Original aus Marmor; Rom, Vatikanische Museen Um 30 / 20 v. Chr. (?) von den rhodischen Künstlern Hagesandros, Polydoros und Athanadoros geschaffen Gefunden 1506 auf dem Gebiet der Domus Aurea in Rom Abguss 1906 erworben, als Ersatz für alten Teilabguss (ohne Söhne) von 177
Nachdem Winckelmann 1756 die Laokoongruppe im Original kennengelernt hatte, veränderte sich seine Auffassung der Skulptur in einem zentralen Punkt, wie seine in Rom entstandenen Kunstbeschreibungen zeigen. War Laokoon ihm in Dresden noch als passiv-leidender Held erschienen, wird er nun zu einem Kämpfer, der aktiv gegen sein ungerechtes Schicksal aufbegehrt.
Original aus Marmor; Rom, Vatikanische Museen Um 100 v. Chr. (?) Herkunft unbekannt; im 15. Jh. im Palazzo Colonna bei SS. Apostoli in Rom, Abguss 1974 erworben, als Ersatz für alten Abguss von 1829
Trotz seines fragmentarischen Erhaltungszustandes ist der Torso von Belvedere für Winckelmann „unter die höchste Hervorbringung der Kunst zu zählen“. Seine Beschreibung der Skulptur wird vor allem von ihrer damaligen Deutung als Herakles bestimmt und ist mit mythologischen Anspielungen gespickt. So kann Winckelmann die Schultern des Torso „nicht betrachten, ohne mich zu erinnern, dass auf ihrer ausgebreiteten Stärke, wie auf zwei Gebirgen, die ganze Last derhimmlischen Kreise geruht“.