#Kunstwerke beschreiben: Winckelmann im Belvedere

Gruppe des Laokoon und seiner Söhne

Gruppe des Laokoon und seiner Söhne

Original aus Marmor; Rom, Vatikanische Museen
Um 30 / 20 v. Chr. (?) von den rhodischen Künstlern Hagesandros,
Polydoros und Athanadoros geschaffen Gefunden 1506 auf dem Gebiet der Domus Aurea in Rom
Abguss 1906 erworben, als Ersatz für alten Teilabguss (ohne Söhne)
von 177

 

Nachdem Winckelmann 1756 die Laokoongruppe im Original kennengelernt hatte, veränderte sich seine Auffassung der Skulptur in einem zentralen Punkt, wie seine in Rom entstandenen Kunstbeschreibungen zeigen. War Laokoon ihm in Dresden noch als passiv-leidender Held erschienen, wird er nun zu einem Kämpfer, der aktiv gegen sein ungerechtes Schicksal aufbegehrt.

Torso von Belvedere

Torso von Belvedere

Original aus Marmor; Rom, Vatikanische Museen
Um 100 v. Chr. (?)
Herkunft unbekannt; im 15. Jh. im Palazzo Colonna bei SS. Apostoli in Rom, Abguss 1974 erworben, als Ersatz für alten Abguss von 1829

 

Trotz seines fragmentarischen Erhaltungszustandes ist der Torso von Belvedere für Winckelmann „unter die höchste Hervorbringung der Kunst zu zählen“. Seine Beschreibung der Skulptur wird vor allem von ihrer damaligen Deutung als Herakles bestimmt und ist mit mythologischen Anspielungen gespickt. So kann Winckelmann die Schultern des Torso „nicht betrachten, ohne mich zu erinnern, dass auf ihrer ausgebreiteten Stärke, wie auf zwei Gebirgen, die ganze Last derhimmlischen Kreise geruht“.

Apoll von Belvedere

Apoll von Belvedere

Original aus Marmor; Rom, Vatikanische Museen
Römische Kopie nach griechischem Vorbild um 330 v. Chr.
Gefunden kurz vor 1500 in der Nähe von Antium
Abguss 1898 erworben, als Ersatz für alten Abguss von 1775

 

Der Apoll von Belvedere galt Winckelmann als „das höchste Ideal der Kunst unter allen Werken des Altertums“. Denn „sein Auge ist voll Süßigkeit […] und die einzelnen Schönheiten der übrigen Götter treten hier wie bei der Pandora in Gemeinschaft zusammen“. Wie beim Torso von Belvedere schlägt sich auch in der Beschreibung dieser Statue Winckelmanns Kenntnis der griechischen Mythologie nieder. Für ihn zeigt der Apoll von Belvedere den Gott im Moment des Sieges über das Ungeheuer Python.

Kunstwerke beschreiben: Winckelmann im Belvedere

Die erste Arbeit, an welche ich mich in Rom machte, war, die Statuen im Belvedere, nämlich den Apollo, den Laokoon, den so genannten Antinous und diesen Torso, als das Vollkommenste der alten Bildhauerei, zu beschreiben.

Mit seiner Übersiedlung nach Rom im Herbst 1755 bekam Winckelmann die Möglichkeit, antike Skulpturen im Original zu studieren. Die Autopsie der Statuen unterschied Winckelmann von den „Scribenten“, den Büchergelehrten seiner Zeit. Eine besondere Stellung nahmen für ihn die Skulpturen des Belvedere-Hofes im Vatikan ein, die Winckelmann für das „Vollkommenste der alten Bildhauerei“ hielt. Seine Beschreibungen der Belvedere-Statuen verfeinerte Winckelmann über mehrere Jahre. Bei den Endfassungen, welche in der 1764 erschienenen Geschichte der Kunst des Altertums veröffentlicht wurden, handelt es sich weniger um wissenschaftliche Texte als um literarische Werke.

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