#Ausgraben: Winckelmanns Traum von Olympia

Vom Älteren zum Hohen Stil – Gruppe der Tyrannenmörder

Vom Älteren zum Hohen Stil – Gruppe der Tyrannenmörder

Original aus Marmor; Neapel, Nationalmuseum
Römische Kopie nach der Bronzegruppe von 477 / 76 v. Chr. auf der
Athener Agora
Seit dem 16. Jahrhundert in Rom nachgewiesen
Abguss des späten 19. Jahrhunderts

Die beiden Statuen waren zu Winckelmanns Zeit in Rom, in der Sammlung Farnese zu sehen und wurden als Fechter gedeutet. Winckelmann erfasste richtig, dass es sich um ein Monument des Überganges zu einer neuen Stilstufe handelt, und datierte es ans Ende des Älteren Stils. Noch seien „die Haare sowohl des Hauptes als der Scham in ganz kleinen kreppigte Locken reihenweise gelegt, in eben der Form, wie die Haare an wahren hetrurischen Figuren gearbeitet sind“. Dass keine Fechter, sondern die Tyrannenmörder Harmodios und Aristogeiton, die Helden der jungen attischen Demokratie, dargestellt sind, erkannte man erst 100 Jahre nach Winckelmann.

Ausgraben: Winckelmanns Traum von Olympia

Schon früh spielte Winckelmann mit dem Gedanken einer Expedition nach Griechenland. Nur wenige westliche Reisende waren bis dahin in das unter osmanischer Herrschaft stehende Land gereist. Hauptziel Winckelmanns war weniger das von ihm bewunderte Athen als vielmehr das panhellenische Heiligtum von Olympia. Die sportlichen und musischen Wettkämpfe der Olympischen Spiele entsprachen besonders gut Winckelmanns Vision von der freiheitlichen Lebensform der Griechen.

Winckelmanns letzte Reise nach Deutschland 1768 hatte u. a. das Ziel (wie er in einem Brief an Heyne in Göttingen schrieb), die nötigen Geldmittel für eine Reise nach Olympia einzuwerben, um dort „mit hundert Arbeitern das Stadium umgraben zu können“. Zwar kam dieses Vorhaben nicht zustande, aber gut 100 Jahre später gelang es dem bis 1868 in Göttingen und dann in Berlin lehrenden Archäologen und Althistoriker Ernst Curtius, indem er sich ausdrücklich auf Winckelmann berief, dessen Pläne in die Tat umzusetzen: Die neue deutsche Reichsregierung finanzierte eine große Ausgrabung in Olympia, die 1875 begann und reiche Früchte trug, wovon viele in diesem Saal ausgestellte Abgüsse Zeugnis ablegen.

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