Anschauungsobjekte sammeln: Gipsabgüsse an der Universität
Als Leiter der Göttinger Universitätsbibliothek erwarb Christian Gottlob Heyne seit 1765 neben Büchern auch Gipsabgüsse. Ganz oben auf seiner Wunschliste standen die von Winckelmann besonders gepriesenen Meisterwerke: der Apoll von Belvedere, der Laokoon, die Venus Medici, die Große Herkulanerin in Dresden. Die Statuen und Büsten wurden über die einzelnen Säle der Bibliothek verteilt aufgestellt, nach Möglichkeit passend zum jeweiligen Fachgebiet.
Die Abgüsse dienten Heyne nicht als Lehrmittel für seine Archäologie-Vorlesung, obwohl diese in der Bibliothek stattfand. Vielmehr wollte er alle Studenten, die die Bibliothek benutzten, durch die Begegnung mit der idealen Schönheit antiker Kunst „humanisieren“. Wie Winckelmann war Heyne fest überzeugt von der moralischen Wirkung des Schönen.
Erst durch Karl Otfried Müller wurden die Gipsabgüsse 1823 in einem eigenen Saal zusammengeführt. Dort wurden nun auch die archäologischen Lehrveranstaltungen abgehalten. Aus der “Zierde der Bibliothek“ war eine wissenschaftliche Lehrsammlung geworden.
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