#Studenten unterrichten: Heynes Vorlesung über die Archäologie

Briefwechsel Heyne / Winckelmann

(Reproduktion aus Heynes Edition: Winckelmann an Heyne 05.12.1765)

Ihre Bekanntschaft verschaffte beiden Gelehrten Vorteile. Winckelmann versorgte Heyne mit Informationen über die jüngsten Statuenfunde in Rom. So schreibt er ihm im Dezember 1765 vom Fund der sog. ‚Knöchelspielerin‘, heute in der Sammlung Wallmoden – „eine Entdeckung, welche noch itzo geheim gehalten wird“. Im Gegenzug sorgte Heyne dafür, dass Winckelmann in die Göttinger Societät der Wissenschaften aufgenommen wurde.

Studenten unterrichten: Heynes Vorlesung über die Archäologie

Die Schriften Winckelmanns lösten in ganz Europa eine Welle ungeheurer Begeisterung für die Antike und besonders für die griechische Kunst aus. Etwa zeitgleich wurden in Göttingen wichtige Voraussetzungen für die Etablierung der Archäologie als Universitätsdisziplin geschaffen.

Der Göttinger Professor für Poesie und Beredsamkeit, Christian Gottlob Heyne (1729 – 1812), der zu den wichtigsten Briefpartnern Winckelmanns zählte, machte dessen Gedanken zur antiken Kunst erstmals zur Grundlage eines akademischen Lehrfaches – allerdings gehörte Heyne gleichzeitig auch zu Winckelmanns kritischsten Rezensenten. Bis ins hohe Alter hielt er in Göttingen regelmäßig eine Vorlesung über die Archäologie der Kunst des Altertums, die von Studenten aus ganz Europa besucht wurde, darunter viele spätere Berühmtheiten wie August Wilhelm Schlegel und Wilhelm von Humboldt.

Einleitung ins Studium der Antike, vorgetragen von Christian Gottlob Heyne, Göttingen im Sommer 1803

Mitschrift von Heynes Vorlesung über die Archäologie
von Christian August Hoffmann (1783–1855),
Student der Theologie aus Darmstadt
Leihgabe aus Privatbesitz

Die Mitschriften seiner Studenten sind heute die wichtigste Quelle zu Heynes Vorlesung. Sie geben Aufschluss darüber, dass Heyne – ganz im Sinne Winckelmanns – den Fokus auf noch vorhandene antike Kunstwerke und eine allgemeine ästhetische Ausbildung legte. Obwohl er Winckelmanns Epochenmodell für seine Vorlesung übernahm, lässt Heyne die bei Winckelmann so entscheidenden Ausführungen über die Kunstentwicklung weitgehend außen vor. Die Mitschriften der Heyne-Vorlesung waren zu ihrer Zeit so populär, dass wiederum Abschriften angefertigt wurden. Auch Goethe besaß ein solches Exemplar und ließ sogar seinen Werther davon reden.

Einleitung in das Studium der Antike, oder Grundriß einer Anführung zur Kenntniß der alten Kunstwerke

Einleitung in das Studium der Antike, oder Grundriß einer Anführung zur Kenntniß der alten Kunstwerke

Christian Gottlob Heyne

Göttingen und Gotha o. J. [1772]
Leihgabe der SUB Göttingen, Sign. 8 ARCH I, 511

1767 hielt Heye erstmals seine später berühmte Archäologie-Vorlesung, die das Antikenverständnis einer ganzen Generation prägen sollte. Sie richtete sich zwar in erster Linie an junge Adelige, die sich auf ihre Grand Tour vorbereiteten, trug jedoch auch entscheidend zur Etablierung der Archäologie als Wissenschaftsdisziplin bei. Inhalt und Aufbau der Vorlesung können nur aus den Mitschriften der Studenten rekonstruiert werden – von Heyne selbst wurde lediglich dieses kurze Gliederungsschema veröffentlicht.

Urkunde: Winckelmanns Aufnahme in die Königl. Societät der Wissenschaften

Urkunde: Winckelmanns Aufnahme in die Königl. Societät der Wissenschaften

Leihgabe der Göttinger Akademie der Wissenschaften

Heynes Unterstützung verhalf Winckelmann 1765 zur Aufnahme in die Göttinger Societät der Wissenschaften. Bereits zwei Jahre zuvor schrieb er ihm: „Sehen Sie die hiesige Academie und die Kön. Societät als einen Canal an, durch den Ihre Entdeckungen und Ideen ungemein verbreitet werden können.“ Mitglied der Göttinger Akademie zu sein galt als große Ehre, war sie doch ein Zentrum der internationalen wissenschaftlichen Diskussion und Herausgeber der Göttingischen Anzeigen von gelehrten Sachen, eines schon damals bedeutenden Rezensionsorgans.

Berichtigung und Ergänzung der Winckelmannischen Geschichte der Kunst des Alterthums

Berichtigung und Ergänzung der Winckelmannischen Geschichte der Kunst des Alterthums

Christian Gottlob Heyne

in: Deutsche Schriften von der königlichen Societät der
Wissenschaften zu Göttingen herausgegeben, I (1771) 204–266
Leihgabe der SUB Göttingen, Sign. 8 PHYS MATH IV, 367

Nach Winckelmanns tragischem Tod stimmte Heyne nicht in die allgegenwärtigen Lobeshymnen auf den Verstorbenen ein. Stattdessen veröffentlichte er 1771 eine ausführliche Berichtigung und Ergänzung der Winckelmannischen Geschichte der Kunst des Alterthums mit dem Ziel, aus Winckelmanns genialischem Entwurf eine solide Wissenschaft zu machen. Obwohl das Werk „im Ganzen betrachtet, mit einer Meisterhand bearbeitet“ sei, kritisiert Heyne vor allem Winckelmanns teils unpräzisen Umgang mit antiken Schriftquellen und die daraus resultierenden Irrtümer in der Chronologie.

Lobschrift auf Winkelmann

Lobschrift auf Winkelmann

Christian Gottlob Heyne

Kassel 1778
Leihgabe der SUB Göttingen, Sign. 8 H L BI IV, 8130

1778 gewann Heyne eine Preisaufgabe der neu gegründete Société des Antiquités de Cassel. Gefordert war eine Lobrede auf Winckelmann mit der Beurteilung seines wissenschaftlichen Beitrags zur Altertumswissenschaft. In seiner Schrift betont Heyne Winckelmanns Sonderstellung gegenüber der bisherigen antiquarischen Forschung und sieht sein größtes Verdienst darin, dass er „das Studium des Alterthums in seinen rechten Kanal einleitete, in das Studium der Kunst“ und dazu anleitete, „Kunstwerke als Kunstwerke zu betrachten“.

Versuch einer Allegorie, besonders für die Kunst : Der Königlichen Groß-Britannischen Gesellschaft der Wissenschaften auf der berühmten Universität zu Göttingen zugeeignet

Versuch einer Allegorie, besonders für die Kunst : Der Königlichen Groß-Britannischen Gesellschaft der Wissenschaften auf der berühmten Universität zu Göttingen zugeeignet

Johann Joachim Winckelmann

Dresden 1766

Leihgabe aus Privatbesitz

Mit der Widmung auf dem Titelblatt bedankte sich Winckelmann für die Wahl in die Göttinger Societät der Wissenschaften. Dennoch wurde sein Buch in Göttingen kritisch aufgenommen.

Bestätigung der Wahl von Johann Joachim Winckelmann und anderer Persönlichkeiten zu Mitgliedern der Societät der Wissenschaften

Hannover, 1.11.1764
Akademie der Wissenschaften zu Göttingen: Pers. 12, Nr. 5

Heynes Unterstützung verhalf Winckelmann 1765 zur Aufnahme in die Göttinger Societät (die heutige Akademie) der Wissenschaften. Bereits zwei Jahre zuvor schrieb er ihm: „Sehen Sie die hiesige Academie und die Kön. Societät als einen Canal an, durch den Ihre Entdeckungen und Ideen ungemein verbreitet werden können.“ Das von Gerlach Adolph von Münchhausen, dem Hannoverschen Minister und Kurator der Universität, unterzeichnete Schreiben bestätigt die von der Göttinger Societät vorgeschlagene Wahl neuer Mitglieder.

Konzept der Ernennungsurkunde zum auswärtigen Mitglied der Societät der Wissenschaften für Johann Joachim Winckelmann

Konzept der Ernennungsurkunde zum auswärtigen Mitglied der Societät der Wissenschaften für Johann Joachim Winckelmann

Göttingen, 12.2.1765
Akademie der Wissenschaften zu Göttingen: Pers. 30,3; Nr. 88

Mitglied der Göttinger Akademie zu sein galt als große Ehre, war sie doch ein Zentrum der internationalen wissenschaftlichen Diskussion und Herausgeber der Göttingischen Anzeigen von gelehrten Sachen, eines schon damals bedeutenden
Rezensionsorgans. Die Ernennungsurkunde selbst befindet sich in Winckelmanns Nachlass in der Pariser Nationalbibliothek.

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