Statuenwald

„Ein Wald von Statuen, durch den man sich durchwinden, eine große ideale Volksgesellschaft, zwischen der man sich durchdrängen musste“: So beschreibt Goethe rückblickend seinen Besuch der Mannheimer Gipsabgusssammlung, der ihm ein prägendes Kunsterlebnis, ganz im Geiste Winckelmanns, verschaffte. Schon vor Goethe hat Johann Gottfried Herder in seiner Lobschrift auf Winckelmann ein ähnliches Bild bemüht:
„In dem Walde von vielleicht 70.000 Statuen und Büsten, die man in Rom zählet […], voll schreiender Stimmen ratender Deuter, täuschender Künstler und unwissender Antiquare“, sich einen Weg gebahnt zu haben, „gewiss, das konnte kein Kleinigkeitskrämer, kein Krittler an einem Zeh im Staube“. Die Verwandlung des chaotischen Statuenwaldes in ein wohlgeordnetes „Lehrgebäude“, darin sieht Herder die herausragende Leistung, die Winckelmann in seinem Hauptwerk, der Geschichte der Kunst des Altertums, gelungen sei.